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kleeblattsbuecherblog

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Ein emotionales Ende

Vergeltung im Münzhaus (Apothekerin Adelina, Band 6) - Petra Schier

Im Jahr 1408 wird Köln von einem Mörder heimgesucht. Der Kürschner van Oeche wird im Haus des Münzwechslers Birboim tot aufgefunden und seine Tochter Clara wird angeklagt, ihn ermordet zu haben. Adelina und ihre Familie sind sich jedoch sicher, dass Clara damit nichts zu tun hat. Zusammen mit ihrer Stieftochter Griet macht sich Adelina an die Aufklärung. Da kommt ihnen auch der Hauptmann Cristan Reese zur Hilfe, der nicht nur durch sein kluges Verhalten Eindruck bei Griet hinterlässt. Doch Griets Vergangenheit lastet schwer auf ihr und auch Cristan hat ein Geheimnis, dass ihn alles kosten könnte. Als er Griet ein Angebot macht, dass ihnen beiden zu einem ruhigen Leben verhelfen könnte, kann Griet dies nicht ausschlagen. Und plötzlich stellt sich das Leben aller Beteiligten auf den Kopf.

Der sechste und auch letzte Band der Adelina-Reihe hat mich sehr wehmütig gemacht. Ich wusste zwar schon lange, dass ich mich von Adelina Burka und ihrer Familie verabschieden muss, doch es nun endgültig zu wissen und das Buch auch noch beendet zu haben, war für mich persönlich sehr emotional.

Die Reihe hat mich jetzt sehr lange begleitet. Durch ihre sehr lebhafte Art des Schreibens, hat die Autorin mir die Familie Burka so nah gebracht, als würde sie in meiner Nachbarschaft leben. Ich habe viele Abenteuer mit ihnen bestanden, sie durch Tiefen und Höhen begleitet und vor allem Adelinas und in diesem Teil auch Griets Gefühlswelt intensiv miterlebt.

Im nun letzten Band der Reihe passiert natürlich wieder ein Mord. Diesmal muss der Kürschner dran glauben. Ein sehr unangenehmer Geselle. Seine Tochter, die er vor Jahren an einen Hurenwirt verkauft hat, gerät als erstes in Verdacht, ihn getötet zu haben und wird in den Turm gesperrt.
Und so fangen Adelina und ihre Stieftochter Griet an, zu recherchieren, um Clara aus dem Turm zu holen und den wahren Mörder zu finden. Nur sind sie sich gar nicht so sicher, ob Clara nicht doch etwas mit dem Mord an ihrem Vater zu tun hat.

Im Laufe der Geschichte gibt es natürlich so einige Ungereimtheiten und ständig hat man jemand anderen in Verdacht. Aber es gibt auch ständig neue Informationen.

Ganz nebenbei gibt es dann auch noch einen zweiten Handlungsstrang, der sich komplett um Griet und Cristan dreht. Die beiden tragen jeweils eine schwerwiegende Vergangenheit mit sich herum und wissen beide, dass sie dadurch unmöglich einen Ehepartner finden können. Und da beide um die Vergangenheit des anderen wissen, schließen sie einen Vertrag, der es ihnen möglich macht, ein ruhiges Leben zu führen.

Gerade Griets Vergangenheit ist grausam und man wünscht sich nichts mehr, als diese ungeschehen zu machen. Doch sie muss selbst damit klar kommen und braucht dafür auch viel Zeit. Als sie Cristan näher kennenlernt, merkt sie, dass es auch eine Zukunft geben kann, eine Aussicht auf ein Leben in Ruhe und Frieden. Doch Griet ist - verständlicherweise - sehr misstrauisch.

Der schon oben erwähnte bildhafte Schreibstil hat es mir wieder sehr einfach gemacht, dass mein Kopfkino viel zu tun hatte. So hatte ich wieder die Apotheke vor Augen oder auch Cristans Haus, das sich gegenüber dem Haus der Burkas befindet. Aber auch Köln selbst ist lebhaft geschildert. Das Leben dort ist hart, doch die Menschen sind zäh und sympathisch.

Die Autorin schildert diesmal mehr aus Sicht von Griet und Cristan. Wenn Adelina "zu Wort kommt", wird klar, dass sie in den Hintergrund treten muss. Adelina hat alles gefunden, was sie sich wünscht. Ihr Ehemann, ihre Kinder, ihr Haushalt, ihre Apotheke. Griet ist es, die nun einen Platz im Leben finden muss und so wird ihr natürlich der größte Teil in der Geschichte eingeräumt.


Ich gehe nun mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lachend, weil mich Adelina und alle anderen so lange begleitet haben, weinend, weil die Reihe nun zu Ende ist und ich die mir so ans Herz gewachsenen Personen gehen lassen muss.
Normalerweise lese ich Bücher nicht doppelt. Hier gibt es wenige Ausnahmen, zu denen natürlich Harry Potter oder der Herr der Ringe gehört. Auch Rebecca Gables Waringham-Saga habe ich schon zweimal verschlungen. Petra Schiers Adelina-Reihe wird sich nun in diese Gruppe einreihen. Ich bin mir sehr sicher, dass ich die Bücher in ein paar Jahren nochmals lesen werde und dies mit gleicher Begeisterung.

Fazit:
Ein emotionales Finale der Reihe.

etwas zu wirr

Unser Kunterboot - Sommer der Geheimnisse (Die Kunterboot-Reihe, Band 1) - Stephanie Schneider, Nina Dulleck
Jonna lebt zusammen mit ihren Eltern und Geschwistern auf einem Hausboot. Aber auch ihre besten Freundinnen leben in den Nachbarbooten und so haben alle ganz viel Spaß, weil sie alle stolz darauf sind, nicht in normalen Häusern zu leben. Auch Karl und sein Vater leben auf der "Lorella", die jedoch ziemlich baufällig ist. Und so bleibt den beiden nur eins, die "Lorella" zu verschrotten und in eine normale Wohnung zu ziehen. Doch Jonna und ihre Freundinnen wollen dies nicht akzeptieren und suchen nach einem Weg, dass Karl und sein Vater doch noch weiter auf dem Fluss in ihrem Hausboot leben können.
 
Der Klappentext des Buches hat sich für mich recht witzig angehört. Eine Schar von Kindern, die mit ihren Eltern auf Hausbooten wohnen und jede Menge Spaß dabei haben. Schließlich ist es ja ungewöhnlich, dass man auf dem Wasser wohnt, statt in einer Wohnung auf dem Land.
 
Der Anfang hat dann auch noch recht witzig angefangen. Und ich versprach mir, dass es auch genauso weitergeht. Doch dann ließ die Geschichte recht schnell nach. Es wird zwar weiterhin versucht, dass die Verschrottung des alten Hausbootes verhindert wird, aber doch schien dies etwas in den Hintergrund zu rücken. Auch dass sich die Kinder plötzlich eines Aberglaubens bedienen und Elfen mit ins Spiel kommen, hat mich dann auch verwirrt.

 



Irgendwie passte dies nicht so recht zu den doch bodenständigen Kids. Außerdem schien es, dass den Erwachsenen die Situation nicht so wichtig war und sie sich eher um andere Dinge kümmern wollten. 
 
Auch fand ich den Schreibstil der Autorin etwas wirr. Mir kam es vor, als hätte sie verzweifelt versucht so viele Abenteuer wie möglich in der Geschichte unterzubringen. Und so ergibt sich eine doch recht zusammenhanglose Story, die sich erst am Ende sammeln kann und so zu einem Abschluss kommt.
 
Einzig die Illustrationen haben die Geschichte retten können. Mit niedlichen Zeichnungen wird die Geschichte neben dem gedruckten Wort erzählt. So wird das Buch ordentlich aufgewertet. Nina Dulleck hat hier ganze Arbeit geleistet. 
 
Süß fand ich die Ideen der ganzen Kinder. Die Kreativität ist grenzenlos und zeigt, dass die Kids einfach Spaß haben und sich in ihrer Hausbootsiedlung auch pudelwohl fühlen. Und dass sie sich für Freunde so einsetzen, zeugt von einem tiefen Gefühl der Freundschaft untereinander.
Dies fand ich persönlich sehr gut ausgearbeitet.
 
Fazit:
Ein mit süßen Zeichnungen versehenes Kinderbuch, das mich persönlich nicht so überzeugen konnte. 

düster und niedlich zugleich

Die Kwickerwonker - Evangeline Lilly, Johnny Fraser-Allen

Vera befindet sich auf einem Jahrmarkt, als ihr ein ungewöhnlicher Wagen auffällt. Von Neugier getrieben, betritt sie ihn und befindet sich plötzlich in der Welt der Kwickerwonker. Marionetten, die mit ihrem Auftreten so manche Verwirrung stiften. Der hochmüt`ge Pa übernimmt das Reden und stellt die komische Truppe vor. Doch dann bringen sie den roten Ballon von Vera zum Platzen und es passieren Dinge, die Vera sich nicht in ihren kühnsten Träumen vorstellen will.

Die Autorin Evangeline Lilly ist uns aus mehrere Film- und Fernsehproduktionen bekannt. Allen voran wohl mit ihrer Darstellung der Elbin Tauriel in "Der kleine Hobbit". Mir bekannt ist sie auch aus der Fernsehserie "Lost", in der sie Kate spielt, die ein Geheimnis umgibt. Mit ihrem schauspielerischen Können war sie mir schon aufgefallen, dass sie nun auch schriftstellerische Fähigkeiten hat, rundet ihre Talente gekonnt ab.

Mit "Die Kwickerwonker" hat sich Evangeline einen Traum erfüllt, der sie schon seit 20 Jahren begleitet. Aber erst mit zunehmenden Freundschaften und Kontakten in der Filmbranche fand sie einen Illustrator, mit dem zusammen sie endlich ihren Kindheitstraum verwirklichen konnte.

Johnny Fraser-Allen und Evangeline Lilly bilden ein Team, das mit enormer Vorstellungskraft und kindlicher Fantasie, Können und vor allem dem Händchen zur Perfektion nun den ersten Band der "Kwickerwonker"-Reihe veröffentlicht haben.

Kennt Ihr, wie es ist, ein Buch in Händen zu halten und Ihr wisst allein schon vom Einband und Klappentext her, dass es sich um einen Schatz handeln muss? Genauso ging es mir mit "Die Kwickerwonker". Schon als ich es aus dem Briefumschlag befreit hatte, war ich fasziniert vom Cover. Den in diesem liegt schon die ganze Aussagekraft der innenliegenden Geschichte.

Johnny Fraser-Allen, der für die Zeichnungen zuständig war, hat sich selbst übertroffen. Ich habe nach Beendigung des Buches im Internet recherchiert und so einiges über ihn gefunden. Doch hier hat er all seine kindliche Fantasie, sein Können und seine Vorstellungen einbringen können. Für mich als völlige talentfreie Zeichnerin, bei der man mit Müh und Not ein Haus in einfachen Strichen erkennen kann, ist dies natürlich ein total faszinierendes Talent.

Die Zeichnungen sind mysteriös, bieten viel Platz für Fantasie und spiegeln auch die Charaktere detailgetreu wieder. Die Marionetten sind einzigartig und doch wieder ein großes Ganzes und passen einfach perfekt zu der von der Autorin geschaffenen Geschichte um das neugierige Kind Vera, dass mit seinem Besuch im Waggon der Kwickerwonker etwas völlig, für sie Unvorhergesehenes auslöst und ihr Leben damit in eine andere Bahn lenkt.

Nach erstmaligem Lesen war ich gebannt von der Geschichte, die in Limerick-Form erzählt wird. Erst beim zweiten Mal fielen mir viele, viele Kleinigkeiten auf. Denn hier konnte ich dann die Verse mit den Bildern in Verbindung bringen. Die einzelnen Kwickerwonker werden vorgestellt. Der hochmütg´ge Pa, die miese Mama, Thaddäus, der Tropf, die stumme Stella, die gierige Gesa, der hungrige Heinrich, der schicke Schorsch, die faule Frieda und der eitle Emil. Sie zusammen bilden die Kwickerwonker, Marionetten, die ihr Leben in einem Waggon führen, der von Jahrmarkt zu Jahrmarkt tingelt.

Und Vera, die mit ihrer Neugier und ihrer eben verzogenen Art ein großes Unglück für sich selbst auslöst.

Die Geschichte wirkt düster und niedlich zugleich. Die Zeichnungen sind in bedeckten Farben gehalten, nur ab und zu mit kräftigen Farbtönen durchsetzt und wirken so auf mich wieder teilweise fröhlich. Der Hintergrund der Geschichte allerdings ist nicht so fröhlich. Doch gleichzeitig auch wieder erheiternd. Um dies zu verstehen, muss die Geschichte wahrscheinlich selbst gelesen werden.

Peter Jackson, bekannt als Regisseur von "Der Herr der Ringe" und "Der kleine Hobbit" sowie diversen anderen Filmen epischen Ausmaßes, hat sich in einem Vorwort verewigt, während Evangeline und der Illustrator Johnny Fraser-Allen sich im hinteren Teil nochmals verausgabt haben. Hier erzählen die beiden, wie sie sich kennengelernt haben und wie die Zusammenarbeit zustande kam. Ebenso wird ausführlich berichtet, wie die Zeichnungen entstanden sind und warum Evangeline das Gedicht, das sie als Kind geschrieben hat, mehrmals umdichten musste, bis es letztendlich in der endgültigen Form veröffentlicht wurde. Als kleines Bonbon bekommt man aber das Original-Gedicht auch zu lesen. Diese Ergänzung war für mich als Laie total interessant, da ich mir nun vorstellen kann, welche Arbeit hinter all dem gesteckt hat. Das Endergebnis kann sich aber auf alle Fälle sehen lassen.

Auf der Rückseite steht, dass das "düster und visuell eindrucksvolle Märchen...sowohl Kinder als auch Erwachsene begeistern" wird. Ich stimme bei Erwachsenen natürlich zu, doch bei Kindern sollte abgewägt werden, wie deren kindliches Gemüt ausgeprägt ist. Die düster vorherrschende Stimmung finde ich persönlich für zartbesaitete Kinder nicht geeignet.

Das leidliche Thema "Preis" muss natürlich auch angesprochen werden. Das Buch umfasst 72 Seiten. Illustriert und mit Text beschrieben. Die eigentliche Geschichte umfasst nur das Gedicht und die wunderschönen Zeichnungen. Der zweite Teil des Buches besteht aus Berichten, Zeichnungen und Erklärungen. Ich habe nicht lange gebraucht, um das Buch zu lesen, aber trotzdem finde ich den Preis von 14,99 Euro mehr als gerechtfertigt. Denn wer so viel Liebe in ein Buch steckt, der verdient es auch, dafür bezahlt zu werden. Und man muss bedenken, dass man damit auch einen kleinen Schatz in seinem Bücherregal stehen hat.

Fazit:
Ich halte es wie Peter Jackson. Man wird diesen Unfug lieben. Von mir gibt es dafür die volle Punktzahl. Ich freue mich schon auf den nächsten Band der Kwickerwonker und bin gespannt, welche Abenteuer noch zu bestehen sind.

Asse vs. Joker

Vier Asse (Wild Cards, #1) - George R.R. Martin

Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende, doch eine neue Bedrohung legt sich über die Menschheit. Das Xenovirus Takis-A, ein außerirdisches Virus, dringt in die Menschen ein und verwandelt sie. Wenn man eine Wild-Card erwischt, wird man entweder zum Ass mit enormen Fähigkeiten, oder endet als deformierter Joker in den Absteigen der Städte. Doch alle haben eins gemeinsam. Sie müssen sich mit den restlichen nicht infizierten Menschen arrangieren und sich einen Platz in der Gesellschaft suchen. Selbst wenn man ein Held ist, ist dies schwer. Und als Schurke manchmal zu leicht...

Wie kann es sein, dass mich eine Reihe so dermaßen verwirrt zurücklässt? War ich von Band 1 der Wild Cards-Reihe "Das Spiel der Spiele" noch so begeistert, konnte mich der zweite Teil "Der Sieg der Verlierer" so gar nicht vom Hocker reißen.

Nun kehrt Wild Cards mit "Die erste Generation" zurück und beschreibt die Entstehung der ganzen Asse und Joker. Und wieder bin ich restlos begeistert von der Vielfalt der einzelnen Charaktere, deren Wesenszüge und vor allem ihrer Gesinnung gegenüber der Menschlichkeit.
Aber von vorne...


Dass das Virus, das die Verwandlung der Menschen auslöst, außerirdischen Ursprungs ist, wusste ich ja schon aus den vorherigen erschienen Bänden. Auch der mysteriöse außerirdische Wissenschaftler, der für alles verantwortlich ist, wurde hier und da mal erwähnt. Dr. Tachyon kommt von dem Planeten Takis und wollte eigentlich verhindern, dass das Virus sich ausbreitet. Unvorhersehbare Umstände, unter anderem eine legendäre Luftschlacht mit dem besten Piloten namens Jetboy, führten dazu, dass sich die Menschheit nun verändert.

Und so gibt es eben die sog. Asse, Menschen, die mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet sind (durch Wände gehen können, unsichtbar werden, fliegen, telepathische Kräfte, usw). Diese benutzen ihre Fähigkeiten sehr oft für das Gute. Aber es gibt natürlich auch schwarze Schafe unter den Assen, die als Bad Boy fungieren und sich mit ihren Fähigkeiten eben selbst bereichern wollen.
Wenn man das Pech hatte, als Wild Card einen Joker zu ziehen, dann musste man mit schrecklichen Deformierungen rechnen. Gut kommt man noch weg, wenn man sich in eine geschmeidige Katze verwandelt oder bei bloßen Berührungen Hämatome bekommt. Schlecht ist es, wenn einem Hörner aus dem Kopf wachsen oder sich Beulen an den unmöglichsten Stellen bilden.

Und so gibt es eben Ass gegen Joker. Als Ass hast du es gut und wirst gefördert, als Joker lebst du als Abschaum in den dunkelsten Ecken oder eben in Jokertown.
Aber auch hier gibt es die Bad Boys, die gar nicht so "bad" sind und sich dann doch eher dem Guten zuwenden und eben im Verborgenen handeln.

Gleich zu Anfang erfährt man, wie es zu dem Ausbruch des Virus überhaupt kam. Der legendäre Pilot Jetboy lieferte sich einen spektakulären Luftkampf mit einem außerirdischen Raumschiff und sieht keinen andere Ausweg, als sich selbst zu opfern, um die Menschheit zu retten. Nur Pech, dass es trotzdem zum Ausbruch des Wild-Card-Virus kommt.
Und so lernen wir verschiedene Charaktere kennen. Zu Anfang Croyd, der als Sleeper bekannt wird. Seine Fähigkeiten ändern sich stetig, denn immer wenn er schläft (dies immer einen längeren Zeitraum über), verändert erst ich und weiß selbst nicht, was er denn dann genaues kann. Er war mir von Anfang an sympathisch, auch wenn er eher zu denen gehört, die seine Fähigkeiten nicht für "Gutes" einsetzt, obwohl er letztendlich doch Gutes tut.

Oder Dr. Tachyon, der quasi der Auslöser der ganzen Misere ist. Er versucht mit allen Mitteln, das Virus aufzuhalten, trotzdem wird es freigesetzt und so sagt er dem Virus den Kampf an. Doch hat er einen langen Weg vor sich. Viele Steine werden ihm in den Weg gelegt und seine Mittel sind manchmal auch nicht ganz hasenrein.

So verfolgt man den Weg einige Charaktere. Und damit kommen wir auch wieder zu dem besondern. Denn jeder Charakter wurde von einem anderen Autor erfunden und so ergibt sich eine Anthologie der besonderen Art. Auch wenn jedes Kapitel über eine andere Figur handelt, ergibt sich am Ende doch ein großes Ganzes und man verliert sich in einer genialen Geschichte, die eine Mischung aus den verschiedensten Superhelden enthält. Als Herausgeber hatte George R.R Martin, von dem ebenfalls ein Kapitel enthalten ist, wieder das richtige goldene Händchen gehabt und so weiß man nun, warum alles so ist, wie es ist.

Die verschiedenen Schreibstile waren diesmal sehr spürbar und es gab natürlich auch Kapitel, die mir nicht so sehr zugesagt haben. Aber im Endeffekt kann ich sagen, dass mich dieser neue Band über die "Wild Cards" wieder sehr gefesselt hat und ich auch wieder begeistert von der Idee bin, die George R. R. Martin zusammen mit seinen Autorenkollegen hier entwickelt hat.

Wenn man bedenkt, dass die Bücher im amerikanischen auch schon vor längerer Zeit erschienen sind und erst jetzt nach und nach ins Deutsche finden, bin ich überrascht, mit welch mannigfaltiger Denkweise die Autoren gehandelt haben. Zuvor sind die Bücher schon als Zweiteiler im Heyne-Verlag erschienen. Nun hat sich Penhaligon des Wild-Card-Universums angenommen und bringt neu überarbeitete Bücher heraus.

Ich persönlich kann empfehlen, sollte man sich dem Wild-Card-Universum widmen wollen, mit diesem Buch hier anzufangen und dann erst zu den beiden anderen bisher erschienenen "Das Spiel der Spiele" und "Der Sieg der Verlierer" zu greifen. Denn diese beide Bänden sind sehr verwirrend, da auf Erklärungen wie es zu dem Ausbruch des Virus kam, weitestgehend verzichtet wird und man sich so einiges selbst zusammenreimen muss. Mit "Wild Cards: Vier Asse" wird jedoch von Anfang an erklärt, worum es überhaupt geht.

Gestört hat mich jedoch der Überschuss an männlichen Charakteren, die mit ihrem heldenhaften Einsatz oder ihrem lästerlichen Verhalten alles dominieren. Weibliche Charaktere finden sich nur wenige und wenn fallen sie in das vorherrschende Frauenbild der zu rettenden Damen, die ohne Hilfe eines männlichen Protagonisten verloren wären. Da aber die Autoren auch vorwiegend männlich sind und diese sich natürlich einen männlichen "Helden" oder "Antihelden" schaffen wollten, ist es klar, dass die Männer hier im Vorteil sind. Trotzdem muss ich hier Punktabzug geben. In den neueren Bänden sind die Frauen schon emanzipierter und wissen sich selbst zu helfen.

Fazit:
Wieder fesselnd und spannend. Das Wild Card-Universum hat mich zurückerobert.

Rebellion der Restanten

Rebellion der Restanten  - Derek Landy, Ursula Höfker

Walküre Unruh und Skulduggery Pleasant sehen sich einem großen Problem gegenüber. Ein Restant konnte sich befreien und treibt nun sein Unwesen und versucht hier das Geheimnis von Darquise zu kommen. Walküre weiß, was passiert, wenn er es herausfindet und versucht, entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Doch der Restant ist mächtig und hat auch mächtige Freunde. Als Walküre von ihm gefangen genommen wird, scheint die Lage aussichtslos.

Nach langer Zeit habe ich mich dieser Reihe endlich wieder gewidmet. Zu Anfang hatte ich die Angst, nicht wieder in die Geschichte hineinzukommen, da ja doch in den Vorbänden einiges passiert ist und auch viele Namen auftauchen. Doch der Autor hat es durch seine unvergleichliche Art, die Story zu erzählen, geschafft, dass ich gleich wieder drin war.

Und wieder ist es der Sarkasmus, der mir alles versüsst hat. Gerade Walküre und Skulduggery haben mit ihren Unterhaltungen so manches Mal ein Lachen in mein Gesicht gezaubert und dafür gesorgt, dass die Zeit wie im Flug vergeht.
Außerdem sind so manche Wendungen vorgekommen. Dies brachte so einigen Biss rein und am Ende konnte ich mir gar nicht mehr vorstellen, wie es denn nun weitergeht.

Es gilt, einige Geheimnisse zu lüften, doch müssen auch einige Personen aufpassen, dass ihre Geheimnisse nicht preisgegeben werden.
So ergibt sich ein Hin und Her, ein Hier und Dort und langsam, aber sicher schleicht sich das Böse in Irland ein.

Aber nicht nur das macht Walküre zu schaffen, denn da ist auch noch Caelan, ein Vampir und sehr interessiert an Walküre, nur die mag Fletcher und ist auch mit diesem zusammen. Und auch das geringste Problem von Walküre.

Der gewohnt sarkastisch-tolle Schreibstil des Autors zieht einem in den Bann und so liest man den 512 Seiten starken Band fast in einem Rutsch durch.

Aber es kommt auch etwas Traurigkeit auf, was damit zu tun hat, dass die Reihe sich nun langsam dem Ende zuneigt. Aber ich habe ja noch zwei Bücher und einen Sonderband über Tanith Low vor mir und kann deshalb noch etwas Zeit mit dem wandelnden Skelett und Walküre verbringen.

Am Ende de Buches wendet sich nochmals das Blatt dramatisch. Von liebgewonnenen Freunden muss man sich verabschieden, neue kommen dazu. Über andere muss man nachdenken.

Und man bekommt natürlich auch gleich Lust, den nächsten Teil zu lesen. Ich freue mich auf das nächste Abenteuer mit Skulduggery und Walküre.

Fazit:
Der Gentleman mit der Feuerhand und seine Totenbeschwörer-Freundin Walküre rocken Irland.

Vorsicht, Poltergeist

Ghostsitter, Band 02: Vorsicht! Poltergeist! - Tommy Krappweis, Timo Grubing

Tom hat sich ziemlich schnell daran gewöhnt, mit einem Vampir, einem Geist, einem Werwolf, einer Mumie und einem Zombie zusammenzuleben. Als sie sich auf dem Jahrmarkt in Grubweiler mit ihrer Geisterbahn "Schreckensfahrt" aufstellen wollen, haben sie eine seltsame Vorahnung, die sich auch kurz darauf bewahrheitet. Ein Poltergeist treibt sein Unwesen und es scheint, als müsste der Jahrmarkt abgebrochen werden. Doch dann merken Tom und seine Freunde, auf wen es der Poltergeist abgesehen hat und eilen zur Rettung.

Auch der zweite Teil der Ghostsitter-Reihe fängt rasant und vor allem interessant an. Und bietet auch gleich wieder Platz für allerlei Spekulationen. So rätselt man mit Tom mit, der von seinen Freunden nur bröckchenweise Informationen bekommt und als er die ganze Wahrheit erfährt, mit Feuer und Flamme dabei ist.
Diesmal macht den Freunden ein Poltergeist zu schaffen und wieder bin ich erstaunt über Tom, der mit seinen 14 Jahren eigentlich viel zu jung für solche Abenteuer ist. Er ist aber trotzdem mit viel Elan dabei und schafft es auch mit seiner Cleverness und einer gehörigen Portion "Erwachsensein" so richtig mitzumischen und auch den Respekt der anderen zu verdienen.
Sei es von dem besserwisserischen Vampir Vlarad, dem niedlichen Geist namens Mimi, dem mürrischen Werwolf Welf, der würdevollen Mumie Hop-Tep oder dem starken Zombie Wombie.

Sie raufen sich zusammen und sind ein besseres Team als gedacht.
Die Story ist spannend und witzig zugleich. Man merkt eben das komödiantische Talent des Autors, der schon mit "RTL Samstag Nacht" oder der Erfindung von "Bernd, das Brot" zu den ganz Großen im Comedy-Geschäft gehört.
Deutlich kommt dies zum Ausdruck mit den verstecken Kleinigkeiten in der Geschichte sowie auch Toms Sarkasmus. Am besten gefällt mir der rosa Plüschhase namens Odor, der ein fester Bestandteil von Wombie ist.

Ich liebe alle Figuren, die der Autor so schön gezeichnet hat und bin auch mehr als gespannt, was man von ihnen noch so erfahren wird. Insbesondere der Zombie namens Wombie hat es mir angetan. Trotz seiner äußerlichen Teilnahmslosigkeit scheint er ganz genau zu wissen, was in den anderen vorgeht. Und er geht für alle sprichwörtlich mit dem Kopf durch die Wand, um zu helfen.
Aber auch alle anderen Figuren haben so ihre sympathischen Eigenarten.

Auch die kleinen Zeichnungen am Anfang der Kapitel zeugen von der Liebe zum Detail und bieten eine tolle Ergänzung zum Rest der Geschichte. Da ich mit meinem Sohn den ersten Teil "Geister geerbt" nun nochmals zusammen lese und er davon schon nach kurzer Zeit begeistert war, gehe ich von aus, dass ihm auch der zweite Teil gefallen wird.

Einen Kritikpunkt habe ich: Das Buch war viel zu kurz. Ich hätte noch ein paar Seiten mehr lesen können und hätte mir persönlich noch einige Erklärungen mehr gewünscht, aber in Hinsicht dessen, dass es sich um ein Kinderbuch handelt, ist die Länge vollkommen ausreichend.

Ich freue mich auf den dritten Teil, der im September 2016 unter dem Namen "Hilfe, Zombie-Party" erscheinen wird.

Fazit:
Ein tolles Kinderbuch mit vielen tollen Szenen.

Eine Geisterbahn mit echten Geistern

Ghostsitter, Band 01: Geister geerbt - Tommy Krappweis, Timo Grubing

Tom erfährt überraschend, dass er von seinem Onkel Heinrich eine Menge Geld erben wird. Allerdings bekommt er dies nur, wenn er es schafft, mit der mitgeerbten Geisterbahn namens "Schreckensfahrt" durchs Land zu reisen und damit Geld zu verdienen. Toms Erstaunen wird jedoch noch größer, als er merkt, dass die Geisterbahn keine Plastikmonster beherbergt, sondern echte Geister, genauer gesagt einen Vampir, einen Geist, eine Mumie, einen Werwolf und einen Zombie. Nun müssen sich die fünf "Monster" und Tom zusammenraufen, denn es gibt jemanden, der die Geisterbahn unbedingt haben will - notfalls mit Hilfe göttlicher Heerscharen.

Nach "Mara und der Feuerbringer" war ich begeistert vom Schreibstil des Autors und habe mich nun mit seiner zweiten Kinderbuch-Reihe beschäftigt.
Diesmal geht es um die monströsen Sagengestalten und den 14 Jahre alten Tom, der mit seinem überraschenden Erbe erst mal gar nichts anfangen kann. Er nimmt es als gegeben hin, erkundet langsam die Lage und erkennt nach und nach das große Ausmaß des Erbes. Tom ist geflasht, aber auch gleich bereit, sich allem zu stellen.
Dies hat mich etwas gestört, schließlich ist Tom erst 14 Jahre alt und kaum in der Lage, alleine Entscheidungen zu treffen, auch wenn er mit seinem Onkel Welf einen Vormund gestellt bekommt.
Auch wäre es für einen Jungen in diesem Alter wohl angemessen, dass er tausend Fragen haben müsse, aber er hatte sie nicht. Diese Akzeptanz des Außergewöhnlichen fand ich dann doch ungewöhnlich.

Erst nach und nach ergibt sich alles und damit wird auch Toms Abenteuerlust geweckt. Erst im letzten Drittel des Buches fängt Tom an zu hinterfragen und so bekommt er endlich meine ersehnten Antworten.

Tom war mir jedoch gleich sehr sympathisch, genau wie die fünf "Monster". Jedes auf seine Art hat ein einnehmendes Wesen. Mimi, der Geist, Vlarad, der Vampir, Welf, der Werwolf, Hop-Tep, die Mumie und Wombie, der Zombie.

Ein aufregendes Abenteuer beginnt und Tom findet endlich richtige Freunde, nachdem er sich vorher eher in der virtuellen Welt, sprich vor dem Computer aufgehalten hat.

Natürlich gibt es einen fiesen Gegenspieler und alle müssen zusammenarbeiten, um das Böse abzuwenden.

Der Schreibstil des Autors ist an die Kinder angepasst, für die diese Geschichte bestimmt ist. Und so ist man ohne lange Erklärungen mitten in der Geschichte drin und erlebt eine spannende Achterbahn, äh... nein Geisterbahnfahrt. Ich habe nun angefangen, das Buch nochmals zusammen mit meinem 7jährigen Sohn zu lesen, der nach drei Kapiteln auch schon total begeistert ist.

Ich hatte beim Lesen das Gefühl, als würde der Autor hier seine gesamte kindliche Fantasie ausüben. Herausgekommen ist dabei eine spannende, monströse und vor allem von Freundschaft geprägte Geschichte voller Geheimnisse. Hierzu gibt es auch ein spannendes Interview mit Tommy Krappweis.

Teil 2 "Vorsicht, Poltergeist" hab ich auch schon hier liegen und ich freue mich auf ein Wiederlesen mit Tom und seinen Geisterfreunden.

Fazit:
Eine Schreckensfahrt ins Ungewisse.

Die Frau aus den Wolken

Chroniken der Weltensucher - Die Frau aus den Wolken: eShort zur Reihe "Chroniken der Weltensucher" - Thomas Thiemeyer
Achtung, Spoiler! Falls man "Die Stadt der Regenfresser" - den ersten Teil der Chroniken der Weltensucher - noch nicht gelesen hat, bitte NICHT weiterlesen.

 

Als der Goldsucher Gustafsson in Bolivien einen herrenlosen Zeppelin erspäht, denkt er gleich ans große Gold. Wenn er das Fluggerät ausschlachten kann und die Sachen zu Geld macht, kann er sich seinen großen Traum erfüllen: die Suche nach dem sagenumwobenen El Dorado. Doch im Inneren des Zeppelin erwartet ihn eine große Überraschung in Form einer rothaarigen Frau. Valkrys Stone ist gar nicht tot, wie die Bewohner von Xi'mal und auch Humboldt gedacht haben.
 
Kurze Geschichten bekommen kurze Rezensionen (sonst verrät man zu viel). 
 
Dieser eShort beschreibt auf wenigen Seiten, wie Valkrys Stone ums Überleben kämpft, nachdem sie nach dem Angriff der Königin des Insektenvolkes der Ukhu Pacha schwer verletzt und für tot gehalten wurde.
Valkrys war mir ja am Anfang der "Chroniken der Weltensucher" und hier dem Band "Die Stadt der Regenfresser" erst sehr unsympathisch, was sich jedoch gegen Ende gelegt hat. Dass sie überlebt hat, hat mich dann doch sehr gefreut. Und dass sie ihr Leben nun vielleicht ändern will. Wie sie jedoch zu der Erkenntnis kommt, muss in dem eShort nachgelesen werden. 
 
Dieser interessante Aussicht auf Valkrys Zukunft lässt auch ein bisschen Hoffnung aufkommen, dass vielleicht doch noch die "Chroniken der Weltensucher" weitergeführt werden, obwohl mit "Das Gesetz des Chronos" eigentlich ein Abschluss geschaffen wurde. Aber man weiß ja nie.
 
Fazit:
Toller eShort und tolle Ergänzung zur eigentlichen Reihe. 

eine emotionale Achterbahnfahrt

Das Gesetz des Chronos - Thomas Thiemeyer
Ein Attentat auf den beliebten Kaiser und seine Frau überschattet Berlin. Der Tod des Monarchen stürzt die Stadt in eine Krise. Zur gleichen Zeit sorgt ein Zeitungsartikel für Aufregung, der besagt, dass Humboldt es geschafft habe, eine Zeitmaschine zu bauen. Kann sie dazu benutzt werden, das Kaiserpaar zu retten? Humboldt weigert sich, da ein Eingriff in die Vergangenheit zu einer Katastrophe führen könnte. Doch dann wirft Humboldt unfreiwillig einen Blick in die Zukunft und überdenkt plötzlich alles, was er je über die Zeit gelernt hat.
 
Der letzte Teil der Chroniken der Weltensucher hat mich sehr traurig gestimmt. Zum ersten, weil es eben der letzte Teil der Reihe ist und meine Abenteuer mit Carl Friedrich von Humboldt, Oskar, Charlotte, Eliza und Wilma nun zu Ende sind. Zum zweiten, weil das Buch ab dem letzten Drittel auch sehr traurig und melancholisch ist. Gerade so, als falle es dem Autoren auch sehr schwer, seine Protagonisten endgültig gehen zu lassen.
 
Mich persönlich hat es sehr gefreut, dass Eliza einen größeren Part in dieser Geschichte gespielt hat. Auch wenn ich mir hier anderes für sie vorgestellt habe. Erst konnte ich mich mit den Gedanken des Autors nicht so anfreunden, doch nach Beendigung des Buches konnte ich einen Blick auf das Gesamtbild werfen und war dann mehr als zufrieden mit der Story. Doch lässt der Autor sich trotz allem viele Hintertürchen offen, um die Reihe vielleicht irgendwann weiterzuführen zu können. Und so besteht ein kleines bisschen Hoffnung.
 
Im Mittelpunkt steht natürlich das Thema Zeit. Wieder lernt man nebenbei so einiges. Diesmal über Physik. Eigentlich ja ein trockenes Thema, das aber wieder spannend verpackt wurde. Aber auch andere Themen wie z. B. die Freimaurerloge werden angeschnitten und interessant in die Story eingebunden. So verbindet der Autor wieder geschickt die Fiktion mit historischen Begebenheiten.
 
Dass sich diesmal alles im heimischen Berlin abspielt, hat mich nicht gestört. Zwischendrin gibt es ja einige "Ausflüge" in andere "Gebiete".
Oskar und Charlotte spielten diesmal jedoch eher eine Nebenrolle, auch wenn alles mehr oder weniger aus deren Sicht geschildert wird. Dabei kam es mir allerdings so vor, als würden die beiden eher als Erzähler oder Chronisten fungieren, eben als Außenstehende. Nur bei wenigen Szenen haben sie aktiv ins Geschehen eingegriffen. Der Hauptaugenmerk lag diesmal auf Carl Friedrich von Humboldt.
Er war es auch, der mir in den ersten vier Romanen nicht so ans Herz gewachsen war. Dies lag an seiner eher distanzierten und geheimnistuerischen Art. Doch hier - im letzten Teil - hat auch er es geschafft, mich von sich zu überzeugen. Eben weil er nur ein Mensch ist und Gefühle hat - und diese auch endlich mal zeigen kann.
 
Gerade sein Umgang mit Oskar hat sich gewandelt. So war er in den ersten Teilen noch distanziert seinem Sohn gegenüber. Im letzten Teil allerdings bindet er ihn merklich mehr in alles ein und sucht auch seinen Rat. 
 
Ich finde, dass sich das letzte Buch der Reihe deutlich von seinen Vorgängern unterscheidet, weil das Abenteuerfeeling irgendwie fehlt. Und doch ist es ein guter Abschluss der Serie, weil es einen Krimitouch hat, eben die Aufklärung des Mordes an dem Kaiserpaar.
 
So muss auch ich mich von dem ungewöhnlichen Team verabschieden, dass sich immer mehr zusammenraufen musste. Dadurch entstanden jedoch stark Freundschaften und Bindungen. Diesen Weg zu verfolgen fand ich persönlich sehr interessant.
 
Fazit:
Anders, spannend und emotional.

tiefgründig und emotional

Jonah - Laura Newman

Emily verbringt gerne ihre Ferien auf dem Gartengrundstück ihrer Großmutter in Devlins Hope, weit abgeschieden von der Öffentlichkeit. Hier erwartet sie Natur pur, Ruhe und vor allem Erholung. Doch die Ruhe ist vorbei, als ihr der Nachbarsjunge Jonah über den Weg läuft. Zuerst lässt Emily ihn nicht an sich heran, doch dann merkt sie, dass sie und Jonah mehr verbindet, als gedacht. Und so lässt sie sich voll und ganz auf ihn ein. Bis sie eines Tages merkt, dass Jonah ein Geheimnis umgibt. Als sie herausfindet, um was es sich handelt, weiß Emily, dass sie Jonah nicht alleine lassen darf. Und macht sich an die Aufklärung eines ungewöhnlichen Falles.

Nach nun drei gelesenen Büchern der Autorin habe ich mich nun voller Vorfreude an mein viertes gemacht und wurde wieder nicht enttäuscht.
Zu Anfang glaubt man noch, dass es zwischen Emily und Jonah ein normaler Sommerflirt ist. Doch je mehr man sich in die Geschichte vertieft, umso mehr merkt man, dass es nicht so ganz normal ist.

Emily ist eine sehr sympathische junge Frau, die mit ihren 18 Jahren schon sehr erwachsen wirkt. Sie weiß, wie ihre Zukunft aussehen soll und ist auch ansonsten sehr geradlinig veranlagt.
Im Gegensatz zu Jonah, der sich nicht für seine Zukunft zu interessieren scheint und auch ansonsten sehr sprunghaft wirkt. Er hat etwas draufgängerisches an sich.
Dies jedoch wirkt sich nicht negativ auf ihn aus. Im Gegenteil, er genießt sein Leben und er weiß zumindest, dass er im Moment nur eins haben will: Spaß. Dass er diesen Spaß zusammen mit Emily haben kann, ist en Bonuspunkt und langsam, aber sicher ergänzen sich die beiden ziemlich gut. Emily wird lockerer, Jonah denkt über seine Zukunft nach.

Doch dann kommt der Knall. Für beide bricht eine Welt zusammen und die Zukunft scheint plötzlich nicht mehr wichtig. Das Hier und Jetzt rückt in den Vordergrund und die Tatsache, herauszufinden, warum alles so ist, wie es ist. Und die beiden auf diesem Weg zu begleiten, ist total faszinierend.

Mitten im Buch habe ich mich dann auch mal näher mit dem YouTube-Kanal der Autorin befasst und hier vor allem mit ihrem "Wildnis-Vlog". Laura Newman hat sich eine kleine Auszeit genommen, in dem sie mehrere Tage in der "Wildnis" verbracht hat. Wildnis heißt dabei das kleine Ferienhäuschen mitten in einer sehr abgelegenen Gegend. Es verspricht Erholung, Ruhe und Natur. Diese Wildnis ist auch die, die die Autorin in ihrem Buch unterbringt. Und so zieht man unweigerlich Vergleiche von Emily zu der Autorin.

Den YouTube-Kanal von Laura Newman kann ich Euch auch nur empfehlen. Hier gibt es viele Videos mitten aus dem Leben der Autorin. Und sie gibt auch Hintergrundinfos zu ihren Büchern.

Aber zurück zum Buch. Ich wurde positiv überrascht. Dachte ich noch am Anfang, ich bräuchte ganz viele Taschentücher, habe ich diese dann am Ende doch nicht gebraucht. Ein paar kleine Tränen sind geflossen, gerade am Ende, doch ansonsten wird in einem sehr ruhigen, leisen Ton die Geschichte erzählt. Und genau das hat mir unheimlich gut gefallen. Ich konnte mich fallen lassen, habe mich ganz der Geschichte verschrieben und bin förmlich abgetaucht.
Jonah und Emily kommen sich sehr nahe, sind ehrlich zueinander und brauchen sich auch gegenseitig. Und so ergibt sich mehr als nur eine kleine Sommerverliebtheit.

Das ganze Buch ist von vorne bis hinten eine emotionale Achterbahnfahrt. Mit viel Gefühl wird hier die Geschichte rund um Emily und Jonah beschrieben, die mit einem außergewöhnlichen Problem zu kämpfen haben.

Das Buch kann zu Anfang als reines Jugendbuch beschrieben werden, doch dann kommen unheimliche Begebenheiten und es driftet in den Bereich der Fantasy ab. Man merkt ganz deutlich, dass die Autorin es liebt, zu schreiben und sich auch im Schreiben verliert. Denn so entstehen Geschichten mit Herzblut. Und Jonah ist so eine Geschichte.

Nettes kleines OT: Die männlichen Hauptcharaktere in den Büchern der Autorin beginnen immer mit J. Hier eben Jonah, in "Coherent" Jean, in der ADIP-Dilogie Jaze und in der Nachtsonne-Trilogie Jo.

Fazit:
Wunderschön, herzergreifend und emotional.

Es kann jeden treffen...

Anyone Dies in Paradise (ADIP) - Laura Newman

Naya, Jaze, Summer und Gadget schaffen es nach "Trust", einer Siedlung, in der sich Überlebende zusammengeschlossen haben und so etwas wie ein normales Leben führen. Doch dann bricht auch dort das Virus aus und die Deadheads übernehmen die Oberhand. Mit Mühe und Not können die vier Freunde fliehen und nehmen Miles mit, der mit ansehen musste, wie seine Familie und Freunde von Deadheads getötet wurden. Nun schlagen sie sich zu fünft durch das kalte Kanada. Eines Tages treffen sie auf eine Person, mit der sie nicht gerechnet hätten und bekommen so die Chance, einen Ort aufzusuchen, an dem sie vielleicht Ruhe haben könnten. Doch dann kommt alles anders, als gedacht und wieder kämpfen Naya und ihre Freunde um das nackte Überleben.

Schon mit dem ersten Band "Another Day in Paradise" war ich total gebannt von der apokalyptischen Welt, die die Autorin geschaffen hat.
Nun geht es in die zweite Runde. Die Deadheads haben die Oberhand erhalten, trotzdem gibt es immer wieder Zusammenschlüsse von Überlebenden, die den Deadheads trotzen. Genau so ein Ort ist "Trust", eine Siedlung hinter hohen Mauern, die das normale Leben innerhalb vorgaukeln. Als Naya, Jaze, Summer und Gadget dort ankommen, meinen auch sie, dass sie hier ein normales Leben führen können. Doch wie immer kommt alles ganz anders.

Diesmal erzählt die Autorin die Geschichte aus drei verschiedenen Sichten. Zu Anfang kommt Miles zu Wort, der das Leben in Trust anpreist. Er scheint sympathisch und man merkt ihm an, dass er für seine Familie und Freunde alles tun würde. Sein Handeln ist überdacht, doch hat auch er Momente, in denen er seinen Impulsen Freiraum gibt.

Erst später kommt Naya zu Wort und erzählt ihre Sicht der Dinge. Die Ankunft in Trust, die Gefahr, die von den Deadheads ausgeht und ihr Weg durch das kalte Kanada.

Die dritte Person, die zu Wort kommt, möchte ich hier in der Rezension nicht erwähnen. Dies wäre ein großer Spoiler. Nur kann ich sagen, dass sie oder er wichtig für die Handlung ist und durch sie oder ihn die Geschichte nochmals an Spannung zulegt.

Wieder konnte ich mich gut mit den Charakteren identifizieren. Hier besonders Nayas Handeln und Denken. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, mit ihr befreundet zu sein und wäre froh, sie in solch einer Katastrophe an meiner Seite zu haben.
Auch Jaze, der mit seinem klugen Handeln so manche Ideen in den Raum wirft und damit auch immer wieder beweist, dass er mit Recht der Anführer der vier Freunde ist.

Summer und Gadget haben sich ebenfalls zu wertvollen Mitgliedern entwickelt und so sind die vier ein eingespieltes Team. Sie wissen genau, wer sich wie zu verhalten hat, verstehen sich blind, wissen, was der andere braucht und halten einfach zusammen.

Naya und Jaze, die als Paar die Apokalypse gemeinsam überstehen, werden dabei nicht als überromantischen Pärchen dargestellt. Sie zeigen zwar, dass sie zusammengehören, aber man merkt deutlich, dass sie ihre Gefühle nicht übertrieben deutlich zur Schau stellen. Und trotzdem weiß man, dass sie alles füreinander tun werden.

Aber auch die "bösen" Gegenspieler sind gut ausgearbeitet. Wie es mittlerweile der "Trend" ist, stehen die eigentlichen Bösewichte, die Deadheads gar nicht so richtig im Mittelpunkt. Es geht um das Menschliche bzw. ob die Menschen es schaffen, menschlich zu bleiben oder vollkommen dem Wahnsinn zu verfallen und sich somit ihr eigenes Grab zu schaufeln. So gibt es dann auch unter den Menschen die "Bösen" und die "Guten". Dass Naya und ihre Freunde zu den Guten gehören, haben sie schon mehrfach beweisen können. Und so brauchen sie natürlich den Gegenpart, das Böse, dass ihnen das Leben schwer macht. Und dass das Böse - dabei verkörpert durch einen Mann namens Borrows - dabei mit skrupellosen Machenschaften vorgeht, brauche ich nicht zu erwähnen.

Ab Kapitel 32 ließ mich die Autorin nur noch mit offenem Mund dasitzen. Ein Ereignis jagt das nächste. Meine Gefühlswelt fährt Achterbahn und es passieren Dinge, die ich mir gar nicht vorstellen wollte, aber dann leider genauestens nachlesen musste. Ich habe gehofft, getrauert, gehasst, gekämpft und Flüche ausgestoßen. Doch es hat nichts genutzt. Diese Wendung in der Story hat mich hilflos gemacht und ich war der Geschichte endgültig verfallen.

Dies ist nun mein drittes gelesenes Buch der Autorin und mittlerweile kann sie sich bei meinen Lieblingsautoren einreihen. Denn gerade ihre so anschauliche Art des Schreibens hat sich bei mir festgesetzt. Sie setzt bei mir ein Kopfkino in Gang. Zum Glück habe ich noch einige Bücher von ihr vor mir. Und ich hoffe sehr, dass noch viele weitere Bücher folgen werden.

Fazit:
Eine neue Favoritenreihe, die sich in mein (e)Regal gestohlen hat.

Steampunk meets History meets Fantasy

Das Amulett in der Wüste (New-Steampunk-Age-Reihe) - Fay Winterberg, Barbara Brosowski Utzinger, Stefanie Mühlsteph

Lilith hat sich nach ihrem Aufenthalt in Wien schon fast wieder häuslich eingerichtet, als eine Einladung zur großen Zusammenkunft der Vampir-Oberhäupter Europas eintrifft. So macht sie sich zusammen mit ihrem Vater auf nach London, um herauszufinden, was sich Neues ergeben hat. Als Elisabeth, der Prinz von London, ihr einen Auftrag erteilt, in Ägypten nach einem Artefakt zu suchen, macht sich Lilith zu gerne dahin auf. Als die dort ankommt, merkt sie, dass sie mit dem Artefakt mehr verbindet, als sie zu hoffen gewagt hat. Und schon bald ist sie gefangen in einem uralten Machtkampf.

Eigentlich hatte ich mir nach Beendigung des ersten Teils gesagt, dass ich die Reihe nicht weiterverfolgen werde. Der erste Teil "Wien, Stadt der Vampire" hat mich nicht so sehr mitreißen können und die Geschichte war sehr schwach ausgearbeitet. Da ich aber den Blog der Autorin und auch ihr Facebook-Profil "stalke", habe ich natürlich mitbekommen, dass sich Fay Winterberg die Kritiken an ihrem ersten Teil sehr zu Herzen genommen hat und sich für den zweiten so richtig ins Zeug legen würde.

Deswegen habe ich ihr nochmals einen Chance gegeben, die die Autorin auch in vollem Stil nutzen konnte. Zu Band 1 habe ich himmelweite Unterschiede feststellen können. Nicht nur der Schreibstil hat sich geändert, nein, auch die Geschichte und die Charaktere an sich waren um einiges besser ausgearbeitet.

Ich hatte zwar einige Zeit gebraucht, um wieder in die Geschichte hineinzukommen und musste mir auch ein kurze Zusammenfassung des ersten Teiles zu Gemüte führen, aber dann war ich mittendrin und habe mich von der Story um Lilith und ihre Vampirfreunde und auch -feinde in den Bann ziehen lassen.
Befindet man sich zu Anfang noch in Deutschland und England, führt die Reise letztendlich nach Ägypten. Es werden verschiedene Mythen miteingeflochen und so ergibt sich ein bunter Mix aus Steampunk, historischen Begebenheiten und Fantasy der feinsten Art.

Sehr schmunzeln musste ich, als die Autorin in ihrem Werk weitere Geschichten aus dem Art Skript Phantastik Verlag bewirbt. Für alle, die es hier nicht wissen, die Autorin Fay Winterberg ist die führende Kraft, die hinter dem Verlag steht.

Aber auch die Aufmachung des Buches ist natürlich ein Hingucker. Auch ein Verdienst der Autorin, die die Cover selbst gestaltet. Und dies mit einem wunderbaren Hang zum Detail. Man merkt die Liebe zum Beruf deutlich. Sie spiegelt sich in jedem Buch des Verlages wieder. Aber nicht nur das Cover lässt sich sehen, sondern auch das Innere, welches immer wieder mit kleinen Bildchen geschmückt ist.

Durch die starke Weiterentwicklung in Bezug zu Band 1 habe ich mich nun endgültig auf die Charaktere einlassen können.
Lilith, die sich erst vor kurzem auf ihr Leben als Halb-Vampirin eingelassen hat, ist sehr wissbegierig und versucht schnellstmöglich viel über sich, ihren Vater und ihre Vorfahren herauszufinden, um sich auch auf ein Leben als Vampirin vorbereiten zu können. Dies gelingt ihr mehr oder weniger geschickt und sie tappt auch gerne in Fettnäpfchen. Trotzdem schafft sie es meist mit Witz und Charme aus den Situationen herauszukommen und letztendlich auch als Gewinnerin dazustehen. Ihre Art ist sehr sympathisch und sie hat auch einige Freunde, die ihr in manchen Situationen treu zur Seite stehen.

Anders natürlich ihre Gegenspieler. Diese sind - wie es auch sein soll - eher der dunklen Seite des Vampir-Daseins zugeneigt und erfüllen somit das Bild, dass man von Vampiren so im Kopf hat. Der Kampf untereinander führt zu Machtspielen, Intrigen und dem üblichen Wahnsinn, wenn Gut und Böse versuchen, die Oberhand zu gewinnen.

Zum Ende hin ergibt sich ein kleiner Showdown und es kommt natürlich auch noch ein sehr fieser Cliffhanger. Dieser schreit geradezu nach einem dritten Teil, der aber schon angekündigt ist. Also heißt es abwarten. Ich freue mich auf alle Fälle auf ein neues Abenteuer mit Lilith.

Fazit:
Ein toller zweiter Teil, der Lust auf viele Fortsetzungen macht.

eine stürmische See, eine raue Insel, ein blutiges Spiel

Hell-Go-Land - Tim Erzberg
Anna Krüger tritt ihre neue Stelle als Polizistin auf Helgoland an. Nach langer Zeit kehrt sie auf die Insel zurück, auf der sie schon als Kind gelebt hat. Unvorstellbare Ereignisse hatten dazu geführt, dass Anna der Insel den Rücken kehrt. Doch nun möchte sie mit der Vergangenheit abschließen und es scheint ihr sinnvoll, dies dort zu tun, wo alles angefangen hat. Doch kaum will sie ihren ersten Arbeitstag beginnen, bekommt sie ein Päckchen zugeschickt. Darin befindet sich ein abgetrennter Daumen. Und geheimnisvolle Nachrichten auf dem Handy lassen ihren größten Albtraum wahr werden. Wer spielt hier ein perfides Spiel mit ihr? Hat es mit ihrer Vergangenheit zu tun? Anna wird Tag für Tag weiter in den Abgrund gezogen.
 
Irgendwie hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, ein sehr leises Buch zu lesen. Das einzige, dass mächtig laut war, waren die Naturgewalten, die auf die kleine Insel Helgoland einschlugen und ständig präsent waren. Ansonsten war gerade Anna, der Hauptcharakter, eher zurückhaltend. Sie ist froh, wenn ihr jemand vorgibt, was sie tun soll und hält sich so an ihre beiden Kollegen Marten und Paul. Paul übernimmt dabei die Führung und versucht mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln herauszufinden, wer Anna so übel mitspielen will. Das dies auf Helgoland nicht so einfach ist, wie in großen Städten auf dem Festland, spielt allen übel mit.
 
Was mir besonders aufgefallen ist, ist die Beschreibung der Insel Helgoland. Ihre raue, wilde Schönheit wird sehr oft in den Vordergrund gerückt und hat in mir den großen Wunsch geweckt, dies doch mal in Natura zu erleben. Gerade bei der doch sehr krassen Situation, dass ein Orkan mehr als eine Woche lang über die Insel fegt und dort das gesamte Leben lahmlegen will. Doch das gelingt ihm nicht. Die Inselbewohner trotzen dem und lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie leben ihr Leben weiter, zwar im Sparprogramm, da man sich besser nicht außerhalb der vier Wände bewegen soll, aber trotzdem mit allem, was möglich ist.
Diese Beschreibung hat mir sehr gut gefallen. Fast noch besser, als die Geschichte selbst.
 
Denn diese ist von Anfang an richtig spannend. Anna hat mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen und schlagartig bekommt sie durch den Erhalt des Päckchens nochmals einen Rückblick auf diese. Auch wenn sie am Anfang erst die Angelegenheit nicht mit sich in Verbindung bringen will, muss sie irgendwann ihre Augen öffnen und einsehen, dass sie der Mittelpunkt des Ganzen zu sein scheint. Aber sie ist ratlos.
 
Zwischen den einzelnen Kapiteln über Anna gibt es immer wieder kursive Abschnitte, die erzählen, was der Täter gerade macht. Natürlich ohne zu verraten, wer es ist. Aber auch eine weitere Person, Katharina Loos, die als Putzfrau auf Helgoland arbeitet, kommt oft zu Wort und erzählt in einem Nebenstrang einen wichtigen Teil der Geschichte.
 
Erst am Ende laufen alle Fäden zusammen und es ergibt sich ein Gesamtbild. Leider konnte ich mir schon etwa nach einem Drittel des Buches denken, wer denn hinter dem ganzen steckt. Trotzdem war es sehr spannend zu lesen, wie auch Anna auf die Idee kommt und vor allem, warum.
 
Der Autor hat einen sehr anziehenden Schreibstil, gerade wenn es um die Beschreibung Helgolands geht. Aber auch die spannenden Momente werden klar und strukturiert wiedergegeben und so hatte ich Mühe, das Buch aus der Hand zu legen. Auch wenn ich schon wusste, wer der Täter ist.
 
Die weiteren Charaktere wie die beiden Polizisten Marten und Paul, die Inselhure Dora, die Ärzte und Kneipenbesitzer waren sehr gut gezeichnet und haben immer wieder zur Geschichte beitragen können. Nichts war langweilig oder als Lückenbüßer gedacht. 
 
Der Inselpastor war auch eine treue Seele. Er war Anna eine große Hilfe und hatte gute Ratschläge. Seine Anwesenheit hat Anna sehr gut getan.
 
Fazit:
Ein faszinierender Roman über eine faszinierende Insel.

ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt

Mara und der Feuerbringer: Das Todesmal - Tommy Krappweis, Adriaan Prent

Mara hat es noch nicht geschafft, die Welt vor der Götterdämmerung zu retten. Also versucht sie weiter mit Hilfe von Professor Weissinger herauszufinden, wie sie diese aufhalten kann. Dabei stößt sie auf rätselhafte Verse und Vorhersehungen. Loge, der Feuerbringer, scheint an Kraft zu gewinnen und es kann ihr anscheinend nur einer helfen. Der Gott des Meeres Njördr. Also sucht Mara diesen auf, merkt aber, dass ihr einfach zu viele Steine in den Weg gelegt werden. Doch Mara wäre nicht Mara, wenn sie die Steine nicht dazu nutzen würde, um sich Brücken zu bauen.

Auch der zweite Teil um Mara und ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten hat mich sofort in den Bann ziehen können. Dies liegt unter anderem an der spannenden Geschichte, aber auch an der so lebhaften Art, die der Autor dazu nutzt, um die Geschichte zu erzählen. So hatte ich wirklich teilweise das Gefühl, mittendrin zu sein und zusammen mit Mara die Abenteuer zu bestehen.

Mara hat sich in kurzer Zeit sehr weiterentwickelt. Ihr pubertäres Verhalten ist zwar noch geblieben, doch zeigt sie großes Interesse daran, nun nicht mehr nur für sich alleine zu kämpfen, sondern Hilfe anzunehmen. Diese Hilfe gibt es in Form des Professors Weissinger, aber auch durch andere Gestalten, die der nordischen Göttersage entsprungen sind.

Die Mischung aus "modern vs. Altertum" ist faszinierend und lässt eben auch eine Menge Spielraum. Der Autor bedient sich hierbei vieler Dinge und weiß diese geschickt miteinander zu verbinden. So wird aus verschiedenen Orten, Personen und Mythen eine perfekte Story, um einen für Stunden gut zu unterhalten.

Besonders gut gefallen hat mir in diesem Teil der Professor, der durch Mara wieder etwas jünger zu werden scheint. Er scheut keine Risiken, steht mit gutem Rat zur Seite und überrascht mit Dingen, die man ihm gar nicht zugetraut hat. Ich denke, dass er im letzten Teil bestimmt nochmals eine wichtige Rolle spielen wird.

Ebenso Mara. Sie hat einen großen Sprung gemacht, sich mit dem abgefunden, was sie ist. Ihre Aufgabe nimmt sie sehr ernst und ist auch bereit, notfalls mit ihrem Leben dafür zu bezahlen. Sehr mutig für eine 14jährige, die eigentlich immer nur eins wollte: nicht auffallen.

Es gab allerdings ein, zwei Szenen, da hätte ich mir gewünscht, dass Mara und der Professor nicht ganz so leicht davonkommen. Doch hat der Autor dies mit anderen Szenen wieder wett machen können. So gibt er Situationen vor, die ich als ausweglos darstellen würde, aber mit einer geschickten Wendung der Seiten stehen plötzlich Mara und der Professor als Gewinner da. Ob dies allerdings immer so bleiben wird, kann ich natürlich nicht verraten. Nur eins: gerade am Ende wird es für Mara sehr hart und dies führt dazu, dass sich ein toller Cliffhanger ergibt, der es mir nun unmöglich macht, nicht zum dritten Band zu greifen.

Auch ist der Wunsch, mir den Film zum ersten Teil anzusehen, nochmals gestiegen und ich werde dies schnellstmöglich nachholen.

Die Geschichte an sich ist wieder sehr spannend. Das Einbringen verschiedener nordischer Götter bringt eine anständige Portion Mythik mit hinein und so fragt man sich, ob sich die Menschen zur damaligen Zeit wirklich ihre Götter so vorgestellt haben. Aber irgendwie passt es. Das Hochmütige zu Njördr, die Eitelkeit zu Loki, die Fürsorge zu Sigyn. Besonders gut hat mir Hel gefallen, die als Wächterin der Unterwelt eine große Rolle spielt.

Ich mag einfach die Art des Autors, einem die Geschichte etwas näher zu bringen. Nicht nur die nordische Mythologie, auch die römische und germanische Geschichte wird abgehandelt. Und so möchte ich mir auch gerne mal die Orte ansehen, die im Buch erwähnt werden. Wenn es mich in die Richtung verschlägt, werde ich auf alle Fälle eine Besichtigungstour machen.

Fazit:
Spannung pur, die richtige Mischung der Charaktere und viel Informationen.

eine spannende Reise in die nordische Mythologie

Mara und der Feuerbringer - Tommy Krappweis

Mara möchte nichts sehnlicher, als nicht aufzufallen. Doch leider ist ihr dies nicht vergönnt. Durch ihre träumerische Art schafft sie es nämlich, öfter in Fettnäpfchen zu treten, als ihr lieb ist. Als sie zusammen mit ihrer Mutter an einem Seminar teilnimmt, in welchem mit Bäumen Kontakt aufgenommen werden soll, weiß Mara ganz genau, dass sie diesen Quatsch nicht mehr mitmachen will. Doch dann spricht ein Ast zu ihre und Maras Welt wird auf den Kopf gestellt. Den plötzlich ist sie diejenige, die als einzige die Welt retten kann.

Schon in "RTL Samstag Nacht" ist mir Tommy Krappweis aufgefallen. Seine lockere Art hat mir damals sehr gefallen. Und auf Facebook "verfolge" ich ihn schon länger. Als er im letzten Jahr (2015) auf den Sci-Fi-Tagen in Grünstadt zu Gast war, war es für mich ein Muss, ihn mir auch mal persönlich anzusehen. Und mir natürlich auch seine Trilogie "Mara und der Feuerbringer" zuzulegen.

Leider bin ich erst jetzt dazu gekommen, den ersten Teil zu lesen und habe nach Beenden auch gleich bereut, es nicht vorher getan zu haben.
Einfach auch, weil es mal etwas erfrischend anderes war. Ich liebe Dystopien und Urban Fantasy-Romane, in denen es um Fantasygestalten geht. Dass mir nun vorliegend eine Geschichte erzählt wird, in der es um die nordische Göttersage geht, hat mich positiv überrascht.

Mara wil nichts sehnlicher, als nicht aufzufallen. Da sie aber durch ihre träumerische Art immer wieder ins Visier ihrer Mitschülerin Larissa fällt, wird sie als Spinnerin und Freak abgestempelt.

Dabei ist Mara eigentlich ein sehr schlaues Mädchen, dass sich nur zu wenig zutraut. Erst versucht sie, ihrer neuen Fähigkeit gleichgültig gegenüberzustehen. Doch dann lässt sie sich darauf ein und erlebt das größte Abenteuer ihres noch jungen Lebens.
Ganz deutlich merkt man dabei, dass Mara erst 14 Jahre alt ist und eigentlich mitten in der Pubertät steckt. Ratschläge nimmt sie gar nicht bis zögerlich an. Gerade von ihrer Mutter, die aber auch kein leichtes Leben führt. Vom Ehemann verlassen, versucht sie, ihr eigenes Leben wieder in den Griff zu kriegen. Dass sie dabei fast nur an sich denkt, merkt sie gar nicht. Mara fühlt sich deswegen auch unverstanden und nabelt sich von ihrer Mutter ab.
Beide haben es noch nicht richtig verkraftet, dass der Vater sie alleine gelassen hat, können sich aber auch nicht zusammenraufen, um diesen Verlust gemeinsam zu verarbeiten.
Gut, dass es da Professor Weissinger gibt, der mit seiner leicht trotteligen Art zu einem Vaterersatz für Mara wird.

Der Professor wirkt sehr sympathisch und ist Mara mit seinem Wissen über die nordische Mythologie auch ein wunderbarer Begleiter und Freund.
Mara und der Professor sind ein tolles Team und das wirkt sich auch positiv auf Mara aus. Hier auch gerade gegenüber ihrer Mutter.

Spannend wird es dann ab dem Zeitpunkt, als Mara herausfindet, warum sie plötzlich mit Pflanzen reden kann. Man fliegt förmlich durch die Geschichte und es kam zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf. Der Schreibstil des Autors ist flüssig und vor allem sehr packend.
Die "jugendliche" Aussprache beherrscht er bewundernswert. Sie steht manchmal im krassem Gegensatz zur Redeweise des Professors. Dieser Kontrast hat mir sehr gut gefallen.

Die nächsten beiden Bände warten schon auf mich und ich bin mir sicher, dass diese genauso interessant und informativ sind, wie der Auftakt der Trilogie.
Denn ganz nebenbei wird einem noch die nordische Mythologie näher gebracht, die auf mich persönlich schon immer einen großen Reiz ausgeübt hat.

Am Ende erwartet einem natürlich ein Cliffhanger. Man muss dann einfach weiterlesen.

Und so habe ich natürlich Lunte gerochen und mir auch gleich mal die neue Reihe des Autors angesehen. "Ghostsitter" hat mich nun auch sehr neugierig gemacht und wird baldmöglichst bei mir einziehen.
Ich bleibe auf alle Fälle dran.

Der erste Teil "Mara und der Feuerbringer" wurde auch schon verfilmt. Auch hier ist nun mein Interesse geweckt und ich werde mir den Film bestimmt ansehen.

Fazit:
Eine faszinierende Reise in die nordische Mythologie.

Erasmus Emmerich & die Qualmfee Marie

Erasmus Emmerich und die Maskerade der Madame Mallarmé (Erasmus Emmerich Reihe) - Katharina Fiona Bode, Martin Knipp, Archibald Leach, Markus Cremer
Eine Reihe von Trollmorden erschüttert Berlin. Die Polizei hat schon gleich eine Verdächtige. Die Assistentin von Erasmus Emmerich, die Qualmfee Marie. Erasmus ist von ihrer Unschuld überzeugt und sucht nach Beweisen. Dabei wird er jedoch von der geheimnisvollen Madame Mallarmé behindert, die sich ihrerseits auch verdächtig benimmt. Erasmus geht Hinweisen nach und stößt auf seltsame Dinge, die alle nur zu einem Ziel führen - dem wahren Verbrecher.
 
Schon zwei Kurzgeschichten der Autorin haben mich von der Gestalt des Erasmus Emmerich und seiner Assistentin Marie überzeugen können. Der verwirrte Hobbyforscher und inoffizielle Detektiv im Berlin zu Bismarcks Zeiten kann durch seine vertrottelte Art und seinen klugen Verstand so einige Abenteuer bestehen und manchen Dieb in den Schatten stellen.
 
So war ich natürlich total gespannt auf das nun erschienene Buch der Autorin, dass sich komplett um Erasmus und Marie dreht.
 
Die Autorin ist eine wahre Wortvirtuosin. Sie hat es einfach drauf, derart mit Worten zu jonglieren und Satzkombinationen zu zaubern. Wortspielereien wie "passiv-duselig" oder Kombinationen wie "Tassternoster" (ein aus Tassen bestehender Paternoster) haben mir mehrmals ein Schmunzeln auf die Lippen gezaubert. Und dies zieht sich durch das ganze Buch.
 
Die Qualmfee Marie und der detektivische Erfinder oder erfinderische Detektiv Erasmus Emmerich sind einfach ein wunderbares Team. Es macht so Spaß, sich von ihnen durch den Fall führen zu lassen. 
Dass sie dabei Hilfe von einem kleinen Zinnsoldaten bekommen, setzt dem ganzen dann nochmal die  Krone auf. Denn der kleine Zinoberius sorgt für die richtige Würze.
 
 
Aber auch die anderen Zeitgenossen, die sich in dem Buch tummeln, passen perfekt in die Geschichte hinein. Sei es der Gegenpart Madame Mallarmé oder auch die kleinen Figuren.
 
Auch die Geschichte an sich ist sehr spannend gestaltet. Zum Einstieg gibt es die beiden Kurzgeschichten, die schon in anderen Anthologien erschienen sind. Diese beiden habe ich nochmals gelesen, um mich auf die eigentliche Story einzulassen.  "Erasmus Emmerich und der Messing-Türknauf" erschien in der Anthologie "Steampunk Akte Deutschland", "Erasmus Emmerich und der zinnoberrote Zinnsoldat" in "Die dunkelbunten Farben des Steampunk". Hier machen wir Bekanntschaft mit dem vielerwähnten Bösewicht Villard sowie dem nun bei Emmerich lebenden Zinnsoldaten Zinoberius.
 
Ganz besonders gut hat mir gefallen, dass immer wieder die Gedankengänge des verschrobenen Detektiven aufgezeigt werden. Und so schlussfolgert er über Umwege einige Dinge zusammen. Aber auch Marie kann mehr, als um die Ecke denken. Und wenn sie sich dann mit Erasmus anlegt, ergeben sich einfach herzerfrischende Dialoge zwischen den beiden.
 
Als kleiner "Beobachter am Rande" wird immer wieder das Universum erwähnt. Es schmunzelt, lehnt  sich zurück, hält den Atem an und lässt sich auch einmal ein Eis schmecken. Diese kleinen Einwürfe passten irgendwie perfekt in die Story.
 
Ihr merkt, für mich war die Geschichte einfach perfekt, mit allem Drum und Dran. Es war ein wahres Lesevergnügen und ich hoffe, dass die Autorin uns noch so einige Abenteuer mit Erasmus Emmerich und der Qualmfee Marie erleben lässt.
 
Besonders erwähnenswert sind die "Erfindungen" der Autorin, wie z. B. der Klangkugelkommunikator (hier kann man mit Hilfe von Kugeln Nachrichten innerhalb der Stadt verschicken, ähnlich einer Rohrpost) oder dem eines Gürteltiers nicht unähnlichen Picknator, der als Müllsammler in den Straßen Berlins für Sauberkeit sorgt.
 
Aber auch auch das Cover sorgt für Aufsehen. Es passt stimmig zur Geschichte und wirkt mit den gedämpften lila-grauen Farben auch etwas geheimnisvoll.
 
Fazit:
Eine Reise in das steampunkische Berlin zu Bismarcks Zeit.