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kleeblattsbuecherblog

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Wunderschön, traurig und tiefgründig

Der nie abgeschickte Liebesbrief an Harold Fry: Das Geheimnis der Queenie Hennessy - Rachel Joyce, Maria Andreas-Hoole

Queenie Hennessy befindet sich im Endstadium ihrer Krankheit. Ihre letzten Tage verbringt sie im Bernadino-Hospiz, umgeben von anderen Patienten, die ebenfalls auf ihren Tod warten. Es scheint keine Hoffnung zu geben. Bis Queenie erfährt, dass ihr Brief an Harold Fry diesen dazu bewogen hat, sich auf den Weg zu ihr zu machen. Zu Fuß, quer durch England. Doch nicht nur Queenies Hoffnung steigt dadurch, auch die der anderen Patienten. Und Queenie entschließt sich, endlich die Wahrheit zu sagen, inform eines Briefes an Harold Fry. Dieser Brief beinhaltet alles, was Queenie Harold nie sagen konnte. Und je näher Harold kommt, umso mehr Geheimnisse kommen ans Tageslicht.

Schon „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ hat mich dermaßen in den Bann gezogen, dass ich mit Spannung an das neue Werk der Autorin ging. Ich wollte mehr wissen. Mehr von Harold, mehr von Queenie.

Während „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ Harolds Gedanken, Ängste und Sorgen widerspiegelt, wird sich im vorliegenden Roman ganz Queenie gewidmet. Ihr Leben ist nicht einfach, ihr Art aber auch nicht. Sie ist zwar klug, doch weiß sie nicht so recht, was sie mit ihrem Leben anstellen soll. Eine Rastlosigkeit bestimmt ihr Leben. Sie hält es eigentlich nirgends lange aus. Und wenn Probleme auftauchen, entschließt sie sich, es an einem anderen Ort neu zu versuchen.

Und sie zieht das Unglück an, wie ein Magnet Metall. Es fängt alles damit an, dass sie sich unglücklich verliebt. In Harold, der verheiratet ist, seinen eigenen Problemen versucht aus dem Weg zu gehen und mit seiner ruhigen, gelassenen Art schon mal drauf und dran ist, einem auf die Palme zu bringen.

Queenie nimmt alles als gegeben hin und so quält sie sich selbst damit, Harold einfach nur jeden Tag zu sehen, mit ihm zu arbeiten und hin und wieder Gespräche mit ihm zu führen, die eigentlich sehr nichtssagend sind.

Trotz dieser sehr negativen Eigenschaften ist es so, dass einem alle Charaktere sofort ans Herz wachsen.

Insbesondere die Patienten, die im Hospiz zusammen mit Queenie auf ihren Tod warten. Sie alle hatten keine Hoffnung mehr, haben jeden Tag vor sich hin gelebt und keine Freude mehr empfunden. Bis die Nachricht kam, dass Harold unterwegs zum Hospiz ist. Ab da geht es ein klein wenig bergauf. Patienten kommen, Patienten gehen – und zwar endgültig. Gerade diese Passagen gingen mir sehr ans Herz und mehr als einmal hatte ich Tränen in den Augen, weil die Autorin es auch schafft, diese Szenen mit einer so wahnsinnig wunderbaren Art zu erzählen, dass es schon Stiche versetzte.

Wer „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ schon begeistert gelesen hat, kommt um dieses Buch einfach nicht herum. Es ist rührend, traurig, witzig, fröhlich, tiefgründig und am Ende einfach nur eins: wunderschön!

Fazit:
Der nie abgeschickte Liebesbrief an Harold Fry wurde endlich veröffentlicht.