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kleeblattsbuecherblog

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eine gelungene Mischung aus Steampunk und Fantasie

Aufziehmädchen Emma: Ein Steampunkroman - Stefan Steinmetz

Theodor Heisenberg heuert das Dampfluftschiff "Abendstern" an, um mit Kapitän Christian von Reichshofen und dessen Crew in das legendäre America aufzubrechen. Mit an Bord kommen seine Tochter Emma und sein Leibdiener Albert. Emma ist jedoch kein gewöhnliches Mädchen. Nach einem Mordanschlag wurde ihr statt eines Herzens ein Uhrwerk eingebaut, dass sie nun am Leben erhält. Sie muss jeden Tag in einem komplizierten Prozess aufgezogen werden und ist dabei auf ihren Vater oder Albert angewiesen. 
Unterwegs nach America lernt Emma die Crew näher kennen und auch den Kapitän Christian. Mehr und mehr fühlt sie sich ihnen zugehörig, weiß aber, dass sie sich dies eigentlich nicht leisten darf, denn ihr Vater ist nicht der, der er vorzugeben scheint. Je mehr Zeit alle miteinander verbringen, umso mehr merkt auch die Crew, dass Emma geholfen werden muss. Und so beginnt eine abenteuerliche Reise in das aufregende America, in das Land der unbekannten Möglichkeiten.
Ein ungewöhnliches Buch. In jederlei Hinsicht. Zuerst möchte ich erwähnen, dass mein Exemplar eine sehr kleine Schrift beinhaltet. Ich hatte Mühe, in das Lesen hineinzukommen. War ich jedoch drin, lief alles wie geschmiert. Nach Rücksprache mit dem Autor wurde mir jedoch mitgeteilt, dass dies nunmehr verändert wurde und die Ausgabe ab November 2015 mit größerer Schrift ausgeliefert wird. Das Buch hat dadurch dann auch 130 Seiten mehr.

Des Weiteren sind mir viele Wiederholungen aufgefallen, ohne die das Buch bestimmt um  einiges hätte gekürzt werden können.

Lässt man diese beiden Dinge jedoch außer Acht, kommt das ungewöhnlich Positive ans Licht. Angefangen bei den mehr als sympathischen Charakteren und hier vorneweg Emma, Christian, Jochen und Leni bis hin zu der außergewöhnlichen Geschichte. 

Hier bietet sich Steampunk vermischt mit der Kultur der Indios, dem Zeitalter der Dinosaurier und viel, viel Fantasie. Und es hat wirklich Spaß gemacht, die Geschichte zu lesen. 

Die Hauptperson Emma hatte es nicht leicht. Vom Vater ungeliebt, ausgestattet mit einem Uhrwerk statt eines Herzens sowie anderen mechanischen Ausstattungen (Beinprothese, ein mechanisches Auge und Ohr) und einer Kindheit, die ohne Freunde und Spaß abgelaufen ist. Aber auch das Leben als jetzt 19jähriges Mädchen ist für sie kein Zuckerschlecken. Ihre Schüchternheit steht ihr im Wege. An Bord der "Abendstern" scheint sie jedoch regelrecht aufzublühen und fühlt sich das erste Mal, als ob sie dazugehört. 
Emma ist mir im Laufe des Buches sehr ans Herz gewachsen. Bei ihrer zerbrechlichen, schüchternen Art kann man nicht anders. Man entwickelt fast so etwas wie Muttergefühle für sie. Man will sie im Arm halten, ihr gut zureden und einfach für sie da sein. 

Aber auch die anderen Charaktere sind liebenswert. Christian, der es allen recht machen möchte, Jochen, der sich mit seiner liebevollen Art und seinem "nach Schnauze reden" mehr Freunde als Feinde macht. Und Leni, die für Emma eine wertvolle Freundin wird. Die ganze Crew ist einzigartig und versucht es, Emma so leicht wie möglich zu machen.
Und hier kommen wir dann auch wieder zu einem Manko. Alle sind gut, alle sind lieb, alle machen keine Fehler. Außer die "Bösewichte", und die sind dann so richtig durch den Wind. Es gibt kein Zwischendrin, kein Grau. Einfach nur Schwarz und Weiß. Dies fand ich ein bisschen schade. 
Der Autor hat einen gewissen Hang zu Details. Und manchmal verliert er sich auch darin. Hier muss ich allerdings zugeben, dass es mich gar nicht so gestört hat. Im Gegenteil. So konnte ich mich besser in alles hineinversetzen, konnte mir die Orte vorstellen, die die "Abendstern" bereiste.

Ich hatte mir ein paar Rezensionen zu dem Buch durchgelesen und muss mich der Meinung einiger anschließen, nachdem diese das Gefühl hatte, sich in einem Jules Verne Roman zu befinden. Einige Parallelen zog ich zu "20.000 Meilen unter dem Meer", aber auch zu "Reise zum Mittelpunkt der Erde". Trotzdem hat der Autor etwas Neues erschaffen und reisst immer wieder das Ruder herum, wenn es darum geht, sich Abenteuer auszudenken. 

Vor allem die Fantasie, die der Autor eingesetzt hat, war für mich beeindruckend. Diese setzt er gekonnt ein und schafft damit eine völlig neue Welt (hier z. B. das fiktive Königreich Bayern), die von Geheimnissen nur so strotzt. Mich dort einzulesen, war faszinierend und nach Beendigung des Buches habe ich so die kleine Hoffnung, dass es vielleicht mal einen zweiten Teil dazu geben wird. Es gibt bestimmt noch vieles, dass der Autor noch nicht gesagt hat bzw. in diesem Roman nicht unterbringen konnte.

Ihr merkt, das Buch hat mich dann doch begeistert. Auch wenn es Längen gab (durch Wiederholungen bzw. durch detaillierte Beschreibungen) und es auch durch die kleine Schrift etwas mühsam war, habe ich doch immer wieder gerne zu dem Buch gegriffen und mich mit der Crew der "Abendstern" auf große Fahrt begeben. 

Wer mehr über den Autor wissen möchte, kann auch auf seiner Homepage vorbeischauen: www.stefans-geschichten.de. Dort gibt es auch unter dem Thread "Aufziehmädchen Emma" eine kleine Bildergeschichte á la Wilhelm Busch über den Elektriker Jochen, der gerne auch mal in Fettnäpfchen tritt. Näheres erfahrt Ihr jedoch erst, wenn Ihr das Buch gelesen habt.

Fazit: 
Trotz kleinerer Mängel ein absolut liebenswert abenteuerlicher Steampunk-Roman.