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kleeblattsbuecherblog

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ein Galgenmärchen der besonderen Art

Kindsräuber (Nora Bendzkos Galgenmärchen 2) - Nora Bendzko

Alene und ihr Vater Stanislav leben in Prag zur Zeit des 30jährigen Krieges. Durch Alenes Spinnerei und Stanislavs Arbeit als Zimmermann reicht ihr Geld gerade zum Überleben aus. Erschwerend kommt hinzu, dass Alene unehelich schwanger ist.
Eines Tages trifft sie auf Patrik, den sie aus ihrer Kindheit kennt. Er sagt ihr, dass er für das Königspaar gerade eine Hochschwangere sucht, um dieser ein Angebot zu machen, welches großzügig mit Geld belohnt werden soll. Alene sieht eine Zukunft ohne Hunger, ohne Ängste und ohne Sorgen. Doch dann erscheint ihr ein Junge, dunkel, verbrannt und geheimnisvoll. Und droht ihr, in 3 Tagen ihr Kind zu holen, wenn sie nicht herausfindet, was es mit ihm auf sich hat.

Dieses "Galgenmärchen" ist genau das, was es beschreibt - ein Kampf auf Leben und Tod, verpackt in märchenhafte Züge mit einer Spur Fantasie und Historie. Eine Mischung, die mir persönlich sehr zusagt. Kommt dann noch ein bildhafter und fesselnder Schreibstil hinzu, kann nichts mehr schief gehen.
Genau dies schafft die Autorin. Sie zieht einem in den Bann mit ihrer düsteren Art, die sich auch das ganze Buch zieht.

Alene, die Protagonistin des Buches, hat es nicht leicht. Wenig Geld, gerade, dass es zum Leben reicht, keine Zukunft, da sie unehelich schwanger ist und nicht mal weiß, wer der Vater ist. Unglückliche Umstände führten dazu. Ein kranker Vater, der der sich aufopfernd um sie kümmert. Da kommt ein unmoralisches Angebot des Königspaars gerade recht.

Bis dahin scheint es ja für Alene nun gut zu laufen - bis auf das Gewissen, das sich zeitweise meldet. Und der tote, verbrannte Junge, der Alene zu drohen scheint.

Drei Tage hat Alene Zeit, herauszufinden, was die Beweggründe des toten Jungen sind. Und ab da wird die schon düstere Geschichte noch eine Spur dunkler. Und spannender.


Wäre der Alltag nicht gewesen, hätte ich mich der Märchenadaption nicht entziehen können und hätte sie in einem Rutsch durchgelesen.
Mir gefällt der Schreibstil der Autorin außerordentlich. Schon mit "Wolfssucht", ebenfalls eine düstere Adaption eines Märchens (Rotkäppchen), konnte sie mich gefangen nehmen.

Diesmal nimmt sich die Autorin das Märchen "Rumpelstilzchen" der Brüder Grimm vor und versetzt uns in das Prag zur Zeit des 30jährigen Krieges.

Man merkt der Autorin die Liebe zum geschriebenen Wort förmlich an. Manche Sätze sind einfach perfekt ausgearbeitet, spiegeln die jeweilige Stimmung im Buch und der Protagonisten dar und auch die detail- und bildhafte Art lässt das Kopfkino anspringen und ordentlich arbeiten.

So konnte ich mir die Protagonisten Alene und Patrik sehr gut vorstellen und mich auch - vor allem in Alene - gut hineinversetzen. Die Ängste, die Sorgen, die Zweifel, die Alene begleiten, sind fast greifbar. Auch die Hilflosigkeit in manchen Szenen ist sehr gut vorstellbar.

Das Buch macht - trotz des düsteren Beigeschmacks - Spaß und die Zeit vergeht wie im Fluge.

Ich hoffe, noch viele weitere solcher Adaptionen aus der Feder der Autorin lesen zu dürfen.

Auch das Cover ist erwähnenswert, da es die düstere Stimmung perfekt widerspiegelt.

Fazit:
Dunkle Geheimnisse, düstere Plätze, eine ungewöhnliche Umsetzung des Märchens Rumpelstilzchen zur Zeit des 30jährigen Krieges in Prag.