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kleeblattsbuecherblog

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Das Schicksal der Jüdin Mira

28 Tage lang - David Safier

Mira lebt mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Hannah während des zweiten Weltkrieges im Jahr 1943 im Warschauer Ghetto. Um sich und ihre Familie über Wasser zu halten, schmuggelt sie Essen und verkauft dieses. Die Nachricht, dass die gesamte jüdische Bevölkerung des Ghettos umgebracht werden soll, wirft ihr eh schon so karges Leben aus der Bahn. Sie beschließt, sich dem Widerstand anzuschließen. Doch birgt auch dies sehr große Risiken. Und dann sind da noch Daniel und Amos und die Entscheidung, wem ihr Herz gehört.

Ich bin mit gemischten Gefühlen an dieses Buch herangegangen. Einerseits ist es die Geschichte von Mira, die sich als Rebellin dagegen wehrt, dass die Nazis unschuldige Juden abschlachten. Andererseits ist es ein Stück unserer Geschichte, dem wir uns nicht verschließen dürfen. Trotzdem ist es aber dann doch ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte und etwas, auf das man nicht stolz sein darf.

Umso interessanter ist es, diese Zeit dann aus der Sicht der Opfer erklärt zu bekommen. Die Angst, die zu jeder Zeit um sie schwebte, die Sorgen und das Gefühl der Hilflosigkeit.
Mira ist eine sehr starke Person, die sich Sorgen um ihre Familie macht und mit allen Mitteln versucht, ihnen das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Sie sieht die Gefahren, versucht dagegen anzukämpfen und letztendlich weiß sie doch, dass es fast unmöglich ist, ein normales Leben zu führen.

Das Schicksal, dass sich von Tag zu Tag näher an sie heranschleicht, ist unaufhaltsam und kann wahrscheinlich nur durch eins aufgehalten werden: durch Widerstand. Und dies wird Miras Ziel. Sich zu widersetzen und damit immer wieder einen Tag „neues Leben“ zu erhalten.

David Safier beschreibt Miras Gefühlswelt so eindringlich und realitätsnah, dass ich mich in sie hineinversetzen konnte, dass ich selbst diese Gefühle miterleben konnte. Das Kopfkino hatte mächtig zu tun. Manchmal viel zu viel.

Einige Stellen im Buch haben mich sehr getroffen und die Tränen konnte ich nicht zurückhalten. Und tief in meinem Hinterkopf wusste ich, dass es sich damals genau so abgespielt haben muss. Die Grausamkeit kannte kein Ende. Miras Verzweiflung war greifbar und ich hätte sie am Liebsten aus dem Buch herausgeholt in unsere heutige Zeit, um ihr wenigstens ein bisschen Ruhe und Frieden zu gönnen.

Ich finde, man muss harte Nerven haben, um dieses Buch zu lesen und ohne Gefühlsausbrüche zu überstehen. Bei mir hat es tiefe Spuren hinterlassen.

Überrascht hat mich der Autor aber auch noch. Er ist eigentlich bekannt für lustige Romane wie „Plötzlich Shakespeare“ oder „Jesus liebt mich“. Diesmal packt er ein Thema an, dass hochinteressant und gleichzeitig schockierend ist. Diese Sprung ist ihm sehr gut gelungen.

Fazit:
Ein Stück Geschichte bildhaft in einen gefühlvollen Roman verpackt.