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kleeblattsbuecherblog

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Gablé in Bestform

Der Palast der Meere: Ein Waringham-Roman - Rebecca Gablé, Jürgen Speh

Eleanor of Waringham ist als Spionin von Königin Elizabeth I. voll ausgelastet. So bekommt sie alles aus nächster Nähe mit. Sei es der Konflikt mit der schottischen Königin Mary Stewart, die Eifersucht der Königin, wenn es um Robin Dudley geht, die Bemühungen, Elizabeth I. endlich zu verheiraten oder der Krieg gegen die spanische Krone. Und dann ist da noch der gutaussehende König der Diebe, Gabriel Durham, der ihr einfach nicht aus dem Kopf gehen mag. Während Eleanor versucht, alles unter einen Hut zu bringen, beschliesst ihr Bruder Isaac allem aus dem Weg zu gehen und schleicht sich als blinder Passagier auf das Schiff von Kapitän John Hawkins. Dort lernt er unter anderen Francis Drake kennen. Doch Hawkins hat so seine ganz eigenen Pläne mit Isaac und verkauft diesen als Sklave auf der Insel Teneriffa. Isaac merkt, dass er mit seinem Vertrauen nunmehr sparsam umgehen muss, sich jedoch aber auch auf Freunde verlassen kann.

Der fünfte Waringham… und was für einer. Nach dem nicht so ganz überzeugenden vierten Teil „Der dunkle Thron“ läuft Rebecca Gablé hier wieder zur Höchstform auf.
Sei es mit ihrer unglaublichen Erzählweise gerade was das englische Königshaus anbetrifft oder diesmal mit dem Ausflug in etwas härtere Gewässer wie Sklavenhandel, Freibeuterleben und Raubzüge im Dienste Ihrer Majestät.

Das 957seitige Epos war in kürzester Zeit verschlungen. Ich hätte ewig weiterlesen können, da mich gerade die Passagen mit Isaac und seine Ausflüge in die Neue Welt sehr fasziniert haben. Isaac ist mein absoluter Liebling in der Geschichte. Er ist ein Rebell, lässt sich nichts vorschreiben und lebt sein Leben so, wie er es für richtig hält. Da er aufgrund seines Naturells nicht als Lord of Waringham geschaffen ist und damit auch nicht die Ambitionen hat, den Landsitz weiterzuführen, baut er sich selbst ein Leben als Freibeuter auf und dies dann auch noch alles mit Absegnung der Königin Elizabeth I., die mehr als profitiert hat von den Dingen, die ihre Flotte bei Heimkehr so mitgebracht hat.

Anders als Isaac ist seine Schwester Eleonor. Sie ist geradlinig, königstreu und ergeben. Ihre persönliche kleine Rebellion ist ihr Verhältnis zum König der Diebe. Hier bricht sie aus ihrem Gewohnten heraus, lässt sich gehen und genießt ihr Leben in vollen Zügen. Doch sobald sie aus seinem Umfeld heraus ist, geht sie wieder vollends in ihrer Rolle als Spionin auf.

Wieder verflicht die Autorin geschickt die wahren historischen Gegebenheiten mit dem fiktiven Schicksal der Familie Waringham. Und da geht noch mehr. Zwar hat die Autorin verraten, dass sie noch Ideen für weitere Waringham-Romane hat, doch fällt es ihr schwer, weitere zu schreiben, da nun chronologisch das Barock-Zeitalter folge würde und ihr persönlich die Leute mit Perücken etwas zuwider sind. Doch wer weiß, was sie sich einfallen lässt, um dem vielleicht etwas zu entgehen. Ich persönlich bin sehr gespannt, wie es in dieser Hinsicht weitergehen wird.

Interessant war das ganze Freibeuter-Thema. Während eines Treffens erzählt Rebecca Gablé, dass man von Sir Francis Drake ein total falsches Bild habe. Er sei nicht so, wie in Filmen immer dargestellt. Er muss ein ziemlicher „Drecksack“ gewesen sein. Kein Gehorsam ihm gegenüber hatte zur Folge, dass er Rache übte. Dieses Bild wird auch etwas in ihrem Buch vermittelt.

Ich könnte jetzt noch seitenweise Ausführungen schreiben, muss mich ja aber doch kurz fassen. Und so kann ich eigentlich nur noch eins sagen: ein toller Waringham-Roman mit viel Witz und Charme und einem interessanten Inhalt.

Viele historische Figuren werden genannt. Angefangen natürlich bei Königin Elizabeth I. bis hin zu Mary Stewart und deren Ehemännern. Aber auch am Rande werden einige erwähnt und so ist es Isaac auch gegönnt z. B. William Shakespeare zu seinen engeren Freunden zu zählen. Diese kleinen Details machen für mich dann auch wieder einen Hauptteil aus.

 

Fazit:
Hier ist alles drin, was in einem historischen Roman vorhanden sein muss.