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kleeblattsbuecherblog

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ein Herzensmärchen

Die Mechanik des Herzens - Mathias Malzieu, Sonja Finck
Jack kommt in einer bitterkalten Winternacht zur Welt. Während der Geburt friert sein Herz ein und die Hebamme Doktor Madeleine setzt ihm eine Kuckucksuhr als Ersatz ein. Fortan lebt er bei Madeleine, da seine richtige Mutter ihn nicht will. Als er bei einem Besuch in der Stadt die kleine Tänzerin Miss Acacia kennenlernt, ist es um ihn geschehen. Sein Uhrwerk fängt an zu rasen und die Zeiger in der Brust fangen an zu schmerzen. Er verliebt sich Knall auf Fall. Doch dies ist nicht gut, denn der Schmerz kann ihn dazu bringen, dass das Uhrwerk stehen bleibt. So hält Doktor Madeleine ihn von allem fern. Doch Jack kann seine Tänzerin nicht vergessen und macht sich auf die beschwerliche Suche, auch auf die Gefahr hin, dass er an der Liebe stirbt.
 
So vieles habe ich schon über diese kleine Geschichte gehört, so dass ich nun - nach viel zu langem Warten - doch mal nach ihr gegriffen habe. Ganz leise fängt sie an, steigert sich nach und nach, um sich dann am Ende klammheimlich ins Herz zu schleichen.
 
Der Hauptprotagonist Jack ist ein naiver kleiner Junge, der nur das Dasein im Hause seiner Ersatzmutter Doktor Madeleine kennt. Ein kurzer Besuch in der Stadt bringt sein ganzes bisheriges Leben durcheinander. Die Liebe trifft ihn. Und so macht er sich auf die Suche nach seiner Zukunft und trifft dabei so einige interessante Leute.
 
Jacks Weg ist nicht leicht. Schon gar nicht, wenn man eine Uhr statt eines Herzens in der Brust trägt. Und dies ist nicht das Außergewöhnlichste in dem Buch. Zumindest lässt es der Autor so aussehen, als wäre es nichts Außergewöhnliches. Alles was Jack erlebt, ist sonderbar und einzigartig. Und so ergibt sich eine sonderbar einzigartige Geschichte mit Tiefgang. 
 
Dieses moderne Märchen für Erwachsene rührt mit seiner Zartheit und seinen versteckten Botschaften. Trotzdem bleibt eine gewisse Frage, wohin denn alles führen soll. Zwischendrin plätschert die Geschichte in bisschen vor sich hin. Und da das Buch „nur“ 192 Seiten hat, ist dies leider ein Kritikpunkt. Denn diese Längen hätte man mit etwas mehr Pep auffüllen können. 
Erst gegen Ende fängt sich der Autor wieder. Aber trotzdem nehme ich ihm diese kleine Atempause nicht übel.
 
Mit Miss Acacia hatte ich meine Probleme. Sie war mir von Anfang an nicht sympathisch. Sie kam egoistisch und selbstgefällig rüber. Währenddessen war mir die liebste Person Doktor Madeleine. Sie ist das genaue Gegenteil von Miss Acacia. Selbstlos, rücksichtsvoll und fürsorglich. Dieser Gegensatz wurde sehr deutlich gemacht.
 
Ein bisschen erinnerte mich das Buch an einen Tim-Burton-Film. Skurril, fantasievoll und mit dem gewissen Extra an zauberhaften Dingen ergibt sich somit eine faszinierendes Gesamtbild. 
 
In der Geschichte tauchen auch historisch belegte Figuren auf. So mal Jack the Ripper oder Georges Méliès, der unter anderem bekannt ist für den ersten Sciencefiction-Film „Die Reise zum Mond“.
 
Dass der Autor solche Persönlichkeiten einfach so einfließen lässt, fand ich sehr gelungen. 
 
Die einzelnen Charaktere sind allesamt etwas schwierig, jede hat so ihre Eigenarten. Zusammen ergeben sie jedoch eine so tolle Gemeinschaft, dass es einfach nur Spaß macht, sich mit den einzelnen abzugeben. 
 
Auch das Cover ist sehr erwähnenswert. Benjamin Lacombe zeichnet sich für das Bild verantwortlich. Er hat schon mehrere Bilderbücher illustriert und auch geschrieben. Mit ihm werde ich mich auch mal näher beschäftigen, da mir der Stil des Covers sehr gut gefällt.
 
Letztendlich kann ich nur sagen, dass das ganze Buch viel Liebe ausstrahlt. Liebe zum Detail, zu den Figuren, den Orten und der Geschichte selbst. Der Schreibstil des Autors gibt noch einen großen Teil dazu. Und so ergibt sich trotz der kleine Länge im Mittelteil doch noch ein stimmiges Gesamtbild, das es fast unmöglich macht, das Buch nicht zu lieben. 
 
Durch den bildlichen Schreibstil hatte ich fast einen kompletten Film vor Augen. Und so bin ich gespannt, ob denn die Verfilmung des Buches, die unter dem Namen „Jack und das Kuckucksuhrenherz“ veröffentlicht wurde, meinen Erwartungen entspricht. Der Trailer dazu sieht schon mal vielversprechend aus. Auch wenn ich mir hier vielleicht ein Mitwirken von Tim Burton gewünscht hätte, bin ich gespannt, wie Luc Besson sich des Themas angenommen hat. Den Trailer zu dem Film findet ihr auf YouTube (Klick).
 
Da mittlerweile weitere Geschichten des Autors erschienen sind, werde ich mir diese auch zu Gemüte führen. Sein Stil gefällt mir ausgesprochen gut und wenn ich so Titel wie „Der kleinste Kuss der Welt“ oder „Metarmophose am Rande des Himmels“ höre und ebenso wunderschöne Covern sehe, schlägt mein Bücherherz einfach höher.
 
Fazit:
Eine liebenswerte kleine Geschichte mit Herz.